Herman Brodie

Die aktuellsten Beiträge von Herman Brodie

G8-Philosophengipfel

Es ist sicher kaum übertrieben zu behaupten: Das Management der griechischen Krise war bislang eine Aneinanderreihung von Katastrophen. Jeder Ökonom wusste eigentlich von Anfang an – und auch jedes Kind könnte es erahnen, wenn es nur einen Moment darüber nachdenkt

Eine verzerrte Wahlprogonse

Mit jedem Tag, an dem die erste Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich näher rückt, wird mir klar, dass meine Vorstellung, Nicolas Sarkozys würde am Ende als Wahlsieger hervorgehen, wohl etwas überzogen gewesen war. Denn eine Umfrage nach der anderen

Lieber ein Pfund zuhause als zwei auf der Bank

Die Erkenntnis, dass viele Haushalte in Großbritannien aus Misstrauen vor ihrer Bank mehr als 1.000 Pfund an Bargeld zuhause horten, hat die FSCS (Financial Services Compensation Scheme)[1] alarmiert. Denn dieses Institut, das Kunden vor der Pleite von Finanzdienstleistern schützen soll, zeigt sich besorgt, 

Getauschte Strafen

Kürzlich war meine neun Jahre alte Tochter ausgesprochen ungehorsam. Ja, ihr Verhalten in der vergangenen Woche war so inakzeptabel, dass ich ihr damit drohte,

Geliebte Finanztransaktionssteuer

Der Widerstand der britischen Regierung gegen die Einführung einer Finanztransaktionssteuer hätte kaum deutlicher ausfallen können. Ja, offizielle Verteidiger des Finanzdienstleistersektors waren von ihrer Haltung so überzeugt, dass sowohl der britische Schatzkanzler

Ein Argument für unbezahlte Arbeit

Die britische Regierung hat sich wegen eines Programms, mit dem jugendliche Arbeitslose unbezahlte Erfahrungen im Arbeitsleben sammeln sollen, so richtig in die Klemme hineinmanövriert. Denn die Arbeitgeber, die an diesem Programm teilnehmen sollten, drohten mit ihrem Rückzug,

Zeig' mir das Geld

Großbritannien müsse „zuerst das Geld der Eurozone sehen“, bevor es eine weitere Rettung der Eurozone mitfinanziere, äußerte Finanzminister George Osborne am Rande des G 20-Treffens am vergangenen Wochenende in Mexiko. "Recht so" dürfte die auf der Hand liegende Antwort vernünftig denkender Menschen lauten.

Verlust der Souveränität – nicht nur in Griechenland

„Sobald ein Land sich dafür entscheidet, Geld im Ausland zu leihen, gibt es seine Souveränität auf“, so Francois Baroin in einem TV-Interview. Interessanterweise sprach der französische Finanzminister nicht von Griechenland, sondern von seinem eigenen Land. Er hat recht: Leiht man sich Geld, verliert man die Kontrolle über einen Teil seines verfügbaren Einkommens

Kindermund tut Wahrheit kund

„Papa, wann kriege ich endlich Facebook?“, fragte mich meine kleine Tochter am Wochenende. Kein Wunder, sie muss regelmäßig mitansehen, wie ihre ältere Schwester einen Gutteil ihrer Freizeit auf der Facebook-Website verbringt und es offensichtlich genießt, sich ständig mit ihren Freunden austauschen zu können.

Warnung vor dem Hund – oder: Eine kleine Rating-Fabel

Mein Nachbar hat drei fiese Hunde: Fitch, Moody und Essenpee. Die Meute bellt den ganzen Tag und auch die ganze Nacht. Sie stören meinen Schlaf, vergällen mir meine Freizeit im eigenen Garten und verschrecken meine Gäste. Immer genau dann, wenn ich mich gerade entspannen oder arbeiten will, lässt mein Nachbar seine Hunde nach draußen, soContinue Reading

Manchmal zocken wir uns selbst ab

Heute Morgen las ich – nicht zum ersten Mal – einen ziemlich vernichtenden Kommentar über den Online-Geldverleiher Wonga. Auf dieser Internetseite können sich klamme Briten binnen Minuten kleinere Geldsummen bis maximal 400 GBP beschaffen, die innerhalb von weniger als 30 Tagen zurückgezahlt werden müssen.

Jenseits von Gut und Böse: Warum uns die Fehler der Anderen guttun

Die Diskussionen im Büro wollten kein Ende nehmen: Wir haben über den gestrigen Moral-Blog unter den Kollegen schier endlos debattiert. Insbesondere nachdem der Schweizer Zentralbankchef Philipp Hildebrand gestern Nachmittag zurückgetreten war, erhitzen sich die Gemüter. Bei Diskussionen um Moral ist das offenbar normal.

Weihnachtsgeschenke-Zweitmarkt

Wenn Sie trotz unserer Tipps für das perfekte Weihnachtsgeschenk am Heiligabend mit ihrer Überraschung für Ihre Lieben danebengelegen haben: Kein Sorge! Online-Auktionsplattformen hatten in den letzten Tagen Hochkonjunktur. Schon am 25. Dezember haben die ersten ihre ungewollten Geschenke zum Verkauf feilgeboten.

Europas Politiker brauchen eine Pause

Entscheidungsmüdigkeit haben wir den europäischen Politikern schon öfter während dieser Krise attestiert. Immer dann, wenn Entscheider müde oder gestresst sind oder zwischen viel zu vielen Alternativen wählen müssen, neigen sie dazu, sich für die Standard-Option zu entscheiden.

Camerons Schachmatt

International steht der britische Premierminister David Cameron nun als Buhmann da: Er hatte sich beim EU-Gipfel geweigert, einer EU-Vertragsveränderung zuzustimmen. Weltweit warf man ihm vor, die Briten mit seiner Blockadehaltung ins außenpolitische Abseits manövriert zu haben. Aber ganz ehrlich:

Euro 2.0 – wenn der neue Euro kommt

Der Vorschlag, einen so genannten Elitebond – eine gemeinsame Anleihe, die lediglich von fiskalpolitisch gewissenhaften Mitgliedern der Eurozone begeben wird – einzuführen, hat wieder einmal die Diskussion über ein Europa der zwei Geschwindigkeiten angestoßen. Die Idee

Was will Angela Merkel wirklich?

Können Sie sich noch an die „green shoots“ aus dem Jahre 2009 erinnern? Oder an die Exit-Strategien, Stresstests, an die Gedanken, Problemländer von der Eurozone quasi mittels eines Zaunes abzuschotten? Und vielleicht, sofern Sie ein ausgezeichnetes Gedächtnis besitzen,

Die EZB und ihre Glaubwürdigkeit

Ist es nicht seltsam, dass die EZB so gar nicht mehr über die Geldmenge spricht? Es gab eine Zeit, vor der Krise, da hatte die Notenbank dies noch als eine wichtige Säule ihrer Geldpolitik gepriesen und daraus hohe Inflationsrisiken abgeleitet. Der einstige EZB-Chef Jean-Claude Trichet hatte diese Säule sogar noch heftig verteidigen müssen

Der Teufel in uns

„In den meisten von uns steckt das Potenzial eines Jerome Kerviel oder eines Kweku Adoboli – viele von uns könnten zu betrügerischen Händlern werden“. Mit dieser Aussage konfrontierte ich die Teilnehmer meiner jüngsten Behavioral-Finance-Seminare. Ich erntete zwar mehrheitlich ein Schmunzeln dafür, aber niemand widersprach mir.

Nein

"Nein" scheint das Lieblingswort Jens Weidmanns zu sein. Nein zu Anleihekäufen der EZB, Nein zu einer Beteiligung des privaten Sektors an der Schuldenkrise, Nein zu einer Hingabe von Bundesbankgold als Sicherheit für IWF-Kredite. Ja, der Bundesbankpräsident glaubt, dass eine Änderung der Spielregeln, der rechtlichen Grundlagen der Währungsunion, nur weil sie nicht mehr passen, das VertrauenContinue Reading

Über den Charme projektbezogener Anleihen

Soweit ich informiert bin, stammt die Idee des britischen Finanzministeriums, zweckgebundene Anleihen zu begeben, nicht vom Behavioral Insights Team der Regierungsbehörde. Aber dennoch verdient dieser Vorschlag das Etikett  "verhaltensorientiert". Denn statt neue Anleihen für irgendwelche nicht näher festgelegten politischen Zwecke zu emittieren

Entscheidungsanstöße

Bei meinem jüngsten Behavioral-Finance-Seminar für Investoren entbrannte eine hitzige Diskussion darüber, ob man das so genannte „Nudging“[1] (in etwa: anstupsen) einsetzen dürfe, um anstehende Entscheidungen in eine gewisse Richtung  zu beeinflussen. Vor allem Politiker geben gerne solche "Anstöße",

Lasst doch das Volk abstimmen!

Derzeit streiten sich die britischen Politiker über etwas, das sich am Ende möglicherweise als katastrophales Eigentor herausstellen könnte: Mit aller Gewalt ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft zu vermeiden.

Occupy the Apple Store

Es muss ein ziemlich skurriles Bild gewesen sein, das sich einem Wall-Street-Banker auf seinem Nachhauseweg bot: Er hatte gerade einen Schritt vor die Tür gesetzt, da sah er zu seiner Rechten berittene Polizisten und Einsatzfahrzeuge, die die „Occupy Wall Street“-Proteste flankierten und zu seiner Linken, nur wenige hundert Meter weiter, wartete eine riesige Menschenmenge vorContinue Reading

Alles ganz harmlos…

Letzte Woche war ich zu einem Dinner im „China Tang“ eingeladen. Das traditionsreiche Restaurant findet man im Untergeschoss des Dorchester Hotels im exklusiven Londoner Stadtteil Mayfair. Um dorthin zu gelangen, muss man zunächst an der berühmten „Promenade Bar“ des Hotels vorbei.

Nobelpreis für rationale Erwartungen

Inmitten der Krise, die aus so vielen schlechten Entscheidungen entstanden ist, erscheint es schon ein wenig seltsam, wenn der Wirtschaftsnobelpreis an zwei Ökonomen geht, die in den 70er Jahren Modelle auf der Basis rationaler Erwartungen erarbeitet haben. Wenn uns die Krise etwas gelehrt hat, dann doch dies: Menschen denken ökonomisch kurzfristig,

Die Welt ist klein

Ein Freund kontaktierte mich gestern, um mir einen, wie er fand, außergewöhnlichen Zufall zu schildern (diesen außergewöhnlichen Umstand machte er mir mit diversen Ausrufezeichen in seiner Email deutlich klar!): Die Schwester seiner Frau und die Schwester des jüngst verhafteten UBS-Händlers Kweku Adoboli, der mehr als 2 Mrd. Euro verzockt haben soll, sind früher gemeinsam zurContinue Reading

Der sicherste Goldtresor der Welt

Gestern stieß ich auf zwei Geschichten, die anscheinend nicht zusammenpassen. Die erste betraf ein massives Gewölbe in Singapur, das bereits ein Jahr nach seiner Eröffnung fast bis unter die Decke mit Gold gefüllt ist. Letzteres stammt von neuen Goldbesitzern,

Ein 30jähriger Kater vom Aktienmarkt

Der September 1987 war bestimmt kein besonders günstiger Augenblick für den Beginn einer Karriere an den Finanzmärkten. Aber genau zu diesem Zeitpunkt befand ich mich zum ersten Mal inmitten eines Handelsbüros eines der größten Rohstoff-Händler der Welt. Ich, der gerade frisch

Taschenspielertrick mit Zuckerguss

Ein Sturm der Entrüstung brach in unserem Büro aus, als wir erfuhren, dass einige Snack-Produzenten offenbar das Kunststück vollbracht hatten, einen kalorienreduzierten Schokoriegel herzustellen, indem sie einfach dessen Größe verringerten. Zwar entsprach die Zusammensetzung der kleineren Riegel exakt der ihrer Vorgänger, kosteten aber genauso viel


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