Draghi hat eine Idee im Hinterkopf

2. August 2012 von Christin Stock

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Freilich hat sich EZB-Chef Mario Draghi nicht träumen lassen, dass seine „Glauben-Sie-mir-Rede“ vom vergangenen Donnerstag an den Märkten einschlagen würde wie eine Bombe und dem DAX in der Spitze bis Dienstag zu 8 Prozent Kursgewinn verhalf. Aber Hunde, die bellen, müssen auch irgendwann beißen, sonst geschieht dasselbe wie in Japan – dort haben die Marktteilnehmer für die Verbalinterventionen der Notenbank und des Finanzministeriums nicht einmal mehr ein müdes Achselzucken übrig.

Draghi dürfte es indes nicht einfach nur so dahingesagt haben, dass er den Euro mit aller Macht erhalten will. Und auch nicht einfach unüberlegt das Mandat der EZB neu interpretiert haben: Wenn die hohen Risikoprämien nicht mehr die Qualität der Staatsanleihen widerspiegeln und die geldpolitischen Kanäle verstopfen, dann gehört das demnach sehr wohl in das Mandat der Notenbank.

Neue Maßnahme muss her

Aber was hat Draghi im Hinterkopf? Die Akteure spekulieren wild, welches Werkzeug er aus dem EZB-Instrumentenkoffer nehmen wird. Dabei drehen sich die Spekulationen aber vornehmlich um Maßnahmen, die in irgendeiner Form schon einmal dagewesen sind: Zinssenkung, weiterer Langfrist-Tender, Wiederaufnahme der Staatsanleihekäufe oder eine echte quantitative Lockerung à la Fed. Doch die Notenbanker denken (hoffentlich) weit darüber hinaus: Ein neues Instrument muss her, damit die Investoren und Kommentatoren eine neue Maßnahme nicht sofort mit alten Programmen vergleichen und bewerten können. Sonst würde die Wirkung sogleich weitgehend verpuffen.

Erst am Montag war US-Finanzminister Timothy Geithner in Frankfurt, um mit EZB-Boss Draghi hinter verschlossenen Türen zu verhandeln. Steht womöglich eine größere, konzertierte Aktion etwa mit dem IWF bevor? Heute Nachmittag werden wir schlauer sein.

Aber auch wenn Draghi heute Nachmittag die haushohen Erwartungen zunächst enttäuschen sollte – dem DAX dürfte das nicht sonderlich schaden. Denn die mittelfristig orientierten Börsianer sind längst auf eine Enttäuschung eingestellt, die Stimmung, gemessen an unserem Bull/Bear-Index, ist nahezu unverändert schlecht. Noch nie in diesem Jahr klafften Stimmungs- und Kursentwicklung derart weit auseinander. Lesen Sie unsere komplette Sentiment-Analyse hier.


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veröffentlicht am 2. August 2012 um 08:55 Uhr

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