„Sell in May…“ lohnt sich (manchmal)

3. Mai 2011 von Christin Stock

„Alles neu macht der Mai“ heißt es so schön, doch statt dass an den Aktienmärkten frühlingshaft die Gewinne sprießen, sieht es eher trübe aus. Das will zumindest eine alte Börsenweisheit wissen, die da heißt: „Sell in May and go away“. Wie die Weisheit weitergeht, sind sich die Experten nicht immer einig. Mal heißt es, man solle im September an die Aktienmärkte zurückkehren, mal erst im Oktober und dann wieder im November.

Wir haben uns einmal die Mühe gemacht und den Aktienindex mit der längsten Historie – der Dow Jones Industrial Index wird bis ins Jahr 1885 zurückberechnet – durchforstet und siehe da: Die Strategie scheint tatsächlich aufzugehen, allerdings nur, wenn man Risikogesichtspunkte berücksichtigt. Und es ist entscheidend, wann man nach der Auszeit an den Markt zurückkehrt. War man von Anfang Oktober bzw. November bis Ende April beim Dow Jones investiert, so konnte man annualisiert eine durchschnittliche Jahresrendite (auf logarithmierter Basis) von rund dreieinhalb Prozent erzielen. Damit gewinnt man zwar absolut betrachtet deutlich weniger als der Kollege, der einfach investiert und stillhält, aber schließlich setzt der sich ja auch deutlich länger dem Risiko von Kursrückgängen aus. Der „Sell in May“-Stratege verbringt stattdessen fünf bis sechs Monate des Jahres an der geruhsamen, ungefährlichen Seitenlinie. Risikoadjustiert ist Letzterer der Sieger. Steigt man jedoch bereits im September wieder ein, geht die Strategie nicht auf: Man bleibt hinter dem Vergleichsindex zurück, ob risikobereinigt oder nicht.

Erstaunlich: Die meisten saisonalen Effekte verschwinden, sobald sie bekannt werden, denn geschickte Marktteilnehmer machen sie sich postwendend zunutze. Doch diese Börsenweisheit überdauert auch im Zeitalter des computergesteuerten Handels. Auch wenn man nur die Daten seit 2000 zugrunde legt, ist der Vorteil der „Sell in May“-Regel für den Dow Jones Index immer noch nachweisbar.

Eines dürfen Sie aber nicht vergessen, sollten Sie heute vorhaben, ihre Aktienengagements zu verkaufen: Diese Börsenregeln funktionierten in der Vergangenheit und natürlich bei weitem nicht jedes Jahr. In 2010 ist man mit der alten Börsenregel gut gefahren, doch in 2009 hätte man eine kräftige Sommer-Rallye des Dow Jones verpasst. Dem computergestützten Handelsmodell mag das nichts ausmachen, aber wie fühlen Sie sich, wenn ihnen eine weitere kräftige Sommer-Rallye entgeht?

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veröffentlicht am 3. Mai 2011 um 08:47 Uhr

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