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		<title>Pandoras Päckchen</title>
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		<pubDate>Wed, 22 May 2013 07:17:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joachim Goldberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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		<description><![CDATA[<img width="300" height="114" src="http://www.blognition.de/wp-content/uploads/2013/05/Pralinenschachtel-300x114.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="Pralinenschachtel" style="float:left; margin-right:10px;" />Als ich gestern in meinen Briefkasten blickte, staunte ich nicht schlecht. Neben all den Zeitungen vom Pfingstwochenende fand ich ein Päckchen vor, das aussah wie eine Pralinenschachtel. Voller Neugier schüttelte ich es sachte – kein Rascheln. Ich blickte auf den Absender. Es war American Express, der Platinum-Service. Wenn die ein so großes Päckchen schicken, kann<a href="http://www.blognition.de/blog/behavioral-livin/pandoras-packchen/" class="read-more"><span>Continue Reading</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<img width="300" height="114" src="http://www.blognition.de/wp-content/uploads/2013/05/Pralinenschachtel-300x114.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="Pralinenschachtel" style="float:left; margin-right:10px;" /><p>Als ich gestern in meinen Briefkasten blickte, staunte ich nicht schlecht. Neben all den Zeitungen vom Pfingstwochenende fand ich ein Päckchen vor, das aussah wie eine Pralinenschachtel. Voller Neugier schüttelte ich es sachte – kein Rascheln. Ich blickte auf den Absender. <span id="more-6109"></span>Es war American Express, der Platinum-Service. Wenn die ein so großes Päckchen schicken, kann dies nichts Gutes bedeuten, dachte ich mir. Aber zunächst sollte ich mich irren. Ein dicker gebundener Prospekt lag obenauf, als ich die Schachtel inspizierte. Mit neuen Vergünstigungen und neuen Partnern von Amex. Naja, ganz schön viel Papierverschwendung, dachte ich mir. Abgesehen von der Umweltbelastung fragt man sich natürlich, wer solche dicken Hochglanzprospekte am Ende bezahlen muss.</p>
<p>Mit detektivischem Spürsinn untersuchte ich weiter den schmalen Pappkarton und fand schließlich ein kleines Heftchen mit Informationen zu den Versicherungen des Kreditkarteninstituts. Intuitiv wusste ich: Als Platinkunde hatte ich mich wahrscheinlich deutlich verschlechtert. Und ich sollte Recht behalten. Das Heftchen führte zahlreiche Neuerungen an, die ich aber keine Lust hatte, im Einzelnen durchzulesen. Beim Überfliegen erfuhr ich dennoch, dass die Kunden im Schadensfall von nun an mit einer deftigen Selbstbeteiligung zur Kasse  gebeten werden. Mehr noch: In Zukunft werden im Gegensatz zu früher viele Versicherungsleistungen an den Einsatz der Karte gebunden sein. Entnervt legte ich den Prospekt beiseite.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Kein Happy End</b></p>
<p>Stattdessen konzentrierte ich mich aufs Wesentliche, auf das Anschreiben von Amex. Und das begann mit der Aufzählung etlicher neuer Vorteile, die sich mir nicht wirklich erschließen wollten. Gleichzeitig wurde das Thema der veränderten Versicherungsbedingungen erneut gestreift. Ich hatte richtig gelesen: Die Leistungen werden sich in Zukunft verschlechtern. Naja, dachte ich, ein richtig guter Marketingbrief endet doch normalerweise mit etwas Positivem. Denn eine Leidensepisode (etwa die angekündigte Verschlechterung eines Services) wird für Menschen erträglicher, wenn sie am Ausgang des Briefes noch etwas Positives erfahren (Peak-End-Effekt). Doch der Brief endete mit einer weiteren Grausamkeit, einem weiteren Verlust. Die Jahresgebühr wird auch noch um 20 Prozent erhöht, musste ich erfahren. Einziger Trost: Immerhin sei die Kündigung des Kreditkartenvertrages bis zum 1. August 2013 kostenfrei, belehrte mich zum Schluss das Schreiben. Das nenne ich nachlassenden Schmerz. Oder „gelungenes“ Marketing. Statt Pralinen hatte Amex mir offenbar Pandoras Box geschickt. Schlimmer: Ein Päckchen, in dem noch nicht einmal als Einziges die Hoffnung geblieben war.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Plötzliche Meinungswechsel – aber nicht beim DAX</title>
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		<pubDate>Thu, 16 May 2013 13:07:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joachim Goldberg</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<img width="300" height="114" src="http://www.blognition.de/wp-content/uploads/2012/12/Mikrofon-300x114.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="Mikrofon" style="float:left; margin-right:10px;" />Wie schnell sich doch Stimmungen ändern können, habe ich mir gedacht, als ich heute vom Ergebnis der jüngsten Emnid-Umfrage[1] zum Spitzensteuersatz erfuhr. Wo doch vor nicht allzu langer Zeit das Politbarometer April II 2013 der Forschungsgruppe Wahlen noch eine Mehrheit von 52 Prozent befragter Bundesbürger/innen ausmachte, die sich für eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes aussprachen. Vielleicht<a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/plotzliche-meinungswechsel-aber-nicht-beim-dax/" class="read-more"><span>Continue Reading</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<img width="300" height="114" src="http://www.blognition.de/wp-content/uploads/2012/12/Mikrofon-300x114.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="Mikrofon" style="float:left; margin-right:10px;" /><p>Wie schnell sich doch Stimmungen ändern können, habe ich mir gedacht, als ich heute vom Ergebnis der jüngsten Emnid-Umfrage<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> zum Spitzensteuersatz erfuhr. Wo doch vor nicht allzu langer Zeit <span id="more-6103"></span>das Politbarometer April II 2013 der Forschungsgruppe Wahlen noch eine Mehrheit von 52 Prozent befragter Bundesbürger/innen ausmachte, die sich für eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes aussprachen. Vielleicht mag es ein bisschen an der Fragestellung gelegen haben, aber Emnid stellt nun fest<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>, dass 63 Prozent der bundesdeutschen Wohnbevölkerung den derzeitigen Spitzensteuersatz für angemessen hält. Der gleiche Prozentsatz der Befragten stellt sich gegen die Steuerpläne der Grünen, einen Steuersatz für Singles in Höhe von 45 Prozent bereits ab einem Jahreseinkommen von 60.000 Euro beziehungsweise 49 Prozent oberhalb von 80.000 Euro zu verlangen.</p>
<p>Jetzt könnte man natürlich einwenden, in der Zwischenzeit hätte der eine oder andere Bürger dieses Landes festgestellt, dass er mit seinem Einkommen womöglich viel eher als gedacht von diesen Plänen erfasst würde. Doch wenn man sich das Meinungsbild der Befragten getrennt nach Haushaltseinkommen einmal näher betrachtet, sind selbst diejenigen Personen, deren Einkommen unter 1.000 Euro netto im Monat liegen, mehrheitlich (52 Prozent) eher gegen die Steuerpläne der Grünen, während diese Gruppe ab einem vergleichbaren Einkommen von 2.500 Euro sogar auf 72 Prozent schnellt. Wahrscheinlich geht es vielen Befragten wie mir (ich habe mich zu diesem Thema <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/fragwurdige-umverteilung/">bereits hier einmal</a></span> geäußert): Es ist immer noch nicht ersichtlich, wofür diese erhöhten Steuereinnahmen, die ein erster Linie einer Umverteilung dienen sollen, eigentlich gedacht sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Stimuli nicht nur Notenbanksache</b></p>
<p>Natürlich fordert die EZB, aber auch die US-Notenbank immer wieder von den Politikern, dass diese, neben allen quantitativen Lockerungsprogrammen und Zinssenkungen der Zentralbanken, auch Ihren Beitrag für die Stimulierung der Konjunktur in Europa bzw. in den USA leisten müssen. Doch ein eine Umverteilung mit dem Ziel, am Ende noch mehr zu sparen, statt etwaige Steuermehreinnahmen aus solchen Programmen in konkrete und sinnvolle Strukturmaßnahmen zu stecken, dürften die Notenbanker dabei nicht im Sinn gehabt haben.</p>
<p>Zumindest in den USA scheinen die Zentralbanker etwas ins Grübeln gekommen zu sein, denn seit vergangenen Samstag geistert ein Artikel im Wall Street Journal in den Köpfen mancher Marktteilnehmer herum, wonach die Fed möglicherweise schon demnächst ihre quantitativen Lockerungen peu à peu zurückführen könnte. Zumindest sollen die Akteure offensichtlich auf derartige Schritte behutsam vorbereitet werden.</p>
<p>Immerhin durfte ich zu diesem Thema in meinem heutigen Interview, das Andreas Scholz vom Deutschen Anlegerfernsehen (DAF) mit mir führte, Stellung beziehen und auch die Folgen einer weiteren Zinssenkung der EZB  oder die Einführung  negativer Zinsen auf Einlagen, diskutieren. Dabei ist auch der Aktienmarkt und dessen weitere Entwicklung nicht zu kurz gekommen. Ob ich tatsächlich für den DAX bullish geblieben bin? – Dieses Gespräch können <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.daf.fm/video/joachim-goldberg-dax-allzeithochs-ohne-bullen---weiter-so-50162217.html">Sie hier abrufen</a></span>.</p>
<div><br clear="all" /><br />
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Im Auftrag der <strong>Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)</strong><b></b></p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> während eines Erhebungszeitraums vom 10. und 11. Mai 2013</p>
</div>
</div>
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		<title>Wann kommt der erste Flash Bounce?</title>
		<link>http://www.blognition.de/blog/markte/wann-kommt-der-erste-flash-bounce/</link>
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		<pubDate>Thu, 16 May 2013 07:30:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joachim Goldberg</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<img width="300" height="114" src="http://www.blognition.de/wp-content/uploads/2013/05/senti15052013-300x114.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="senti15052013" style="float:left; margin-right:10px;" />Wer sich in Aktien tummelt befindet sich offensichtlich im falschen Markt. Zumindest aus Sicht dessen, der bei Sotheby‘s New York Gerhard Richters Gemälde „Domplatz, Mailand“ für umgerechnet knapp 29 Millionen Euro verkaufen konnte. Aber auch vor den Preisen anderer Bilder scheinen Investoren kein Halten zu kennen, denn das teuerste Bild auf dieser Versteigerung ging letztlich für<a href="http://www.blognition.de/blog/markte/wann-kommt-der-erste-flash-bounce/" class="read-more"><span>Continue Reading</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<img width="300" height="114" src="http://www.blognition.de/wp-content/uploads/2013/05/senti15052013-300x114.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="senti15052013" style="float:left; margin-right:10px;" /><p>Wer sich in Aktien tummelt befindet sich offensichtlich im falschen Markt. Zumindest aus Sicht dessen, der bei Sotheby‘s New York Gerhard Richters Gemälde „Domplatz, Mailand“ für umgerechnet knapp 29 Millionen Euro verkaufen konnte. Aber auch vor den Preisen anderer Bilder scheinen Investoren kein Halten zu kennen, denn das teuerste Bild auf dieser Versteigerung ging letztlich für 43,8 Millionen US-Dollar über den Tisch. Obwohl damit gleich mehrere Auktions-Rekorde fielen, blieben 64 Werke liegen, aber dennoch kennt das Interesse für Sachwertanlagen offenbar keine Grenzen – hohe Renditen locken, sofern man sich für die richtigen Gemälde entschieden hat. Was aber richtig ist, entscheidet sich möglicherweise erst Jahre oder Jahrzehnte später. Und all das, was in der Zwischenzeit keine Abnehmer gefunden hat, interessiert auch nicht die Medien.</p>
<p>Wenig Interesse scheint es bei den Investoren derzeit auch für deutsche Aktien zu geben, wobei von Privatanlegern immer wieder die schlechten Erfahrungen der vergangenen Jahre als Hinderungsgrund für größere Engagements hierzulande ins Feld geführt werden. Derzeit sind Crash-Storys und Horrorszenarien aufgrund der DAX-Performance zwar in den Hintergrund getreten, aber die Anleger interessieren sich für jene viel mehr, als für positive Nachrichten. Erst neulich sagte mir wieder ein Bekannter, er habe ganz einfach davor Angst, der Aktienmarkt könne womöglich im Zuge eines Flash-Crashs innerhalb weniger Minuten sofort mehrere Prozent an Wert verlieren. Immerhin: Für einen Flash-Crash muss es genügend Long-Positionen geben, die man aus dem Markt herausschießen kann und die sind derzeit nicht in großem Umfang zu sehen. Vielmehr wird die Hausse von (langfristigem) ausländischem Kapital getragen. Darauf deuten auch die gestern veröffentlichten US-TIC-Daten für den März hin, wonach die monatlichen US-Käufe ausländischer Dividendenpapiere ein neues monatliches Allzeithoch erreichten.</p>
<p>Leider sorgt die grundsätzliche Asymmetrie zwischen Long- und Shortpositionen dafür, dass der Aktienmarkt nicht plötzlich einmal um 5 Prozentpunkte in einer Viertelstunde nach oben schießen kann, etwa weil so viele gegen den Trend halten. Schade, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht einmal zu einer richtigen Explosion zum Positiven, einem <i>Flash Bounce</i> kommen kann. Nein, auf dieser Seite des Aktienmarktes gab es bislang auch keine <i>fat fingers</i> die mal die Aktienkurse so richtig springen ließen und so bleiben uns halt nur die altbekannte Short Squeeze.</p>
<p>Ob uns eine solche Squeeze ins Haus steht? Zumindest möchte niemand über steigende Kurse am Aktienmarkt sprechen und freuen tut sich auch kaum jemand, wenn der DAX neue historische Höchststände markiert. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich, im Gegensatz zu früheren Zeiten, wo ich gern und viel Taxi gefahren bin, angesichts meines kurzen Weges zum Arbeitsplatz zu häufig zu Fuß oder mit dem Fahrrad fortbewege, um Börsengeflüster überhaupt wahrnehmen zu können. Immerhin gibt es mit der Sentiment-Erhebung der Börse Frankfurt noch ein zuverlässiges Tool, wenigstens die Stimmung der institutionellen Anleger zu erfassen – mein Mitstreiter Gianni Hirschmüller hat dazu <a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktsentiment+baeren+droht+genickstarre+51078">einen Kommentar (hier)</a> verfasst, während  ich mich dieses Mal um die <a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktsentiment+baeren+droht+genickstarre+51078#reiter=detailanalyse">Analysedetails</a> (hier) gekümmert habe.</p>
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		<title>Wo der Crash tatsächlich entsteht</title>
		<link>http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/wo-der-crash-tatsachlich-entsteht/</link>
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		<pubDate>Tue, 14 May 2013 13:18:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joachim Goldberg</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<img width="300" height="114" src="http://www.blognition.de/wp-content/uploads/2013/05/Crash-300x114.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="Crash" style="float:left; margin-right:10px;" />Der DAX erklimmt neue Rekorde. Aber dennoch scheinen viele sich sicher zu sein, dass es irgendwann an den Finanzmärkten krachen wird, und sie wissen auch schon jetzt genau, warum das passieren wird. Eine mögliche Hauptursache, so sagen sie voraus, wird das Zerbrechen der Eurozone sein. Ich kann mich noch daran erinnern, wie vor zwei Monaten<a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/wo-der-crash-tatsachlich-entsteht/" class="read-more"><span>Continue Reading</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<img width="300" height="114" src="http://www.blognition.de/wp-content/uploads/2013/05/Crash-300x114.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="Crash" style="float:left; margin-right:10px;" /><p>Der DAX erklimmt neue Rekorde. Aber dennoch scheinen viele sich sicher zu sein, dass es irgendwann an den Finanzmärkten krachen wird, und sie wissen auch schon jetzt genau, warum das passieren wird. Eine mögliche Hauptursache, so sagen sie voraus, wird das Zerbrechen der Eurozone sein. Ich kann mich noch daran erinnern, <span id="more-6097"></span>wie vor zwei Monaten das Gerücht die Runde machte, Zypern könne durchaus den Auslöser für einen solchen Zusammenbruch darstellen. Von einem Run auf die Banken nach den staatlich verordneten Feiertagen war die Rede und vom zypriotischen Parlament, das die Eurozone an den Rande des Abgrunds stoßen könne, sofern sich keine Mehrheit für das Spar- und Rettungspaket finden sollte. All dies war medial dramatisch in allen Nuancen ausgekostet worden, und auch in vielen Internetforen wurde dieses Szenario heftig diskutiert. Vielleicht, weil solche Geschichten Angst und Schrecken verbreiten.</p>
<p>Was aber ist seither geschehen? Zyperns Bürger haben nach den Bankfeiertagen vielleicht etwas mehr Geld abgehoben, um aufgeschobene Geschäfte tätigen zu können. Und im Parlament hat sich eine Mehrheit von 29 der 56 Abgeordneten gefunden, damit der Bail-in durchgezogen werden kann. Die Abstimmung fand am 30. April statt; seitdem fahnde ich vergeblich nach größeren Berichten über dieses scheinbar unwichtige Ereignis. Tatsächlich hat sich die Lage in der Eurozone doch merklich entspannt, was sich alleine schon an den niedrigen Anleiherenditen zeigt, die selbst in Problemländern an der Peripherie durchsetzbar sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Notenbankpolitik drängt zu falschen Entscheidungen</b></p>
<p>Vielmehr Sorge bereitet mir die Notenbankpolitik, aber nicht nur die der Fed. Die US-Notenbank möchte uns anscheinend auf eine Verminderung der quantitativen Lockerungsprogramme vorbereiten, was am vergangenen Samstag in einem Artikel des vielfach als Fed-Sprachrohr wahrgenommenen Journalisten Jon Hilsenrath im Wall Street Journal deutlich wurde. Dabei scheint sich mancherorts die Ansicht durchzusetzen, die US-Notenbank werde womöglich die monatlichen QE3-Volumina bei jeder ihrer Sitzungen je nach konjunktureller Datenlage um einen bestimmten Milliardenbetrag – vorstellbar wären jeweils zehn oder 20 Milliarden US-Dollar – verringern. Schrittweise sozusagen, um überzogene Reaktionen an den Finanzmärkten, vornehmlich am Aktienmarkt zu vermeiden. Dabei scheint die Fed allerdings das Verhalten der Investoren zu unterschätzen, denn diese neigen naturgemäß dazu, einen einmal eingeschlagenen Pfad für die Zukunft mental fortzuschreiben. Mit anderen Worten: Beim ersten Schritt der Notenbank in diese Richtung wird der entsprechende Betrag für die kommenden Sitzungen einfach extrapoliert. Mit der Folge, dass sich Marktreaktionen an diesen hochgerechneten Beträgen orientieren könnten.</p>
<p>Aber auch die Tendenz der EZB, sich negative Zinsen nicht nur vorstellen, sondern auch in die Tat umsetzen zu können, wie gestern anhand eines entsprechenden Statements des Chefs der Banca d’Italia, Ignazio Visco, deutlich wurde, sollte Anlass zur Sorge geben. Denn eine derartige Notenbankpolitik würde die Anleger noch mehr zu Entscheidungen drängen, die sie ohne dieses künstliche Niedrigzinsumfeld normalerweise nie getroffen hätten. Damit meine ich nicht einmal, dass die Menschen ihr Geld abheben und unters Kopfkissen stecken könnten, obwohl allein schon dies nicht ganz ungefährlich wäre. Vielmehr werden sich Sparer noch stärker auf die Suche nach rentablen Anlagen machen, wobei ihre Bereitschaft, für das Erreichen höherer Renditen höhere Risiken einzugehen, wachsen dürfte. Außerdem besteht die Gefahr, dass sich das Kapital damit auf einige wenige Anlageklassen konzentrieren könnte, zu denen derzeit hierzulande gar nicht einmal so sehr Aktien, sondern vielmehr Immobilien zählen. Das Ganze erinnert mich an frühere Zeiten, als man mit extrem niedrigen Zinsen in anderen Ländern der Eurozone einen regelrechten Immobilienboom auslöste, unter dessen Folgen man heute dort noch leidet.</p>
<p>Wer sich also vor dem Crash schützen möchte – wenn das überhaupt möglich ist –, sollte zumindest einen Grundsatz beherzigen: Nur jetzt nicht alles auf ein Pferd setzen. Denn den richtigen Gaul, der nachher das Rennen macht, herauszupicken ist und bleibt reine Glückssache.  </p>
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		<title>Weichgespült</title>
		<link>http://www.blognition.de/blog/behavioral-livin/weichgespult/</link>
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		<pubDate>Mon, 13 May 2013 07:43:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joachim Goldberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Hindsight Bias]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
		<category><![CDATA[Peak-End-Effekt]]></category>
		<category><![CDATA[Regret]]></category>
		<category><![CDATA[Sunk Cost]]></category>

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		<description><![CDATA[<img width="300" height="114" src="http://www.blognition.de/wp-content/uploads/2013/02/spülmaschine-300x114.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="spülmaschine" style="float:left; margin-right:10px;" />Als ich vor knapp einem Vierteljahr den Kundendienst rufen musste, weil unsere Spülmaschine ihren Dienst versagte, dachte ich, es würde bei einem Besuch bleiben. Denn das zweifelhafte Reparatur-Vergnügen kostete immerhin 320 Euro, was ziemlich genau an der Grenze dessen lag, was ich als Alternative zur Anschaffung einer neuen Maschine zu bezahlen noch bereit gewesen war.<a href="http://www.blognition.de/blog/behavioral-livin/weichgespult/" class="read-more"><span>Continue Reading</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<img width="300" height="114" src="http://www.blognition.de/wp-content/uploads/2013/02/spülmaschine-300x114.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="spülmaschine" style="float:left; margin-right:10px;" /><p>Als ich vor knapp einem Vierteljahr den Kundendienst rufen musste, weil unsere Spülmaschine ihren Dienst versagte, dachte ich, es würde bei einem Besuch bleiben. Denn das zweifelhafte <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.blognition.de/blog/behavioral-livin/monteur-marketing/">Reparatur-Vergnügen</a></span> kostete immerhin 320 Euro, was ziemlich genau an der Grenze dessen lag, <span id="more-6089"></span>was ich als Alternative zur Anschaffung einer neuen Maschine zu bezahlen noch bereit gewesen war. Damals wollte mir der beflissene Monteur – neben der überteuerten Reparatur – auch noch eine Versicherung für künftige Schäden an diversen anderen Maschinen in unserem Haushalt verkaufen. 16 Euro pro Monat sollte der Spaß kosten, aber nur für ausgewählte, nicht für alle unsere Elektrogeräte. Meine innere Behavioral-Economics-Stimme sagte mir seinerzeit: „Tu’s nicht, derlei Versicherungen sind immer zu teuer!“.</p>
<p>Und nun war es doch wieder geschehen. Ein neuer Schaden am erst acht Jahre alten Geschirrspüler. Eigentlich war „nur“ etwas Wasser ausgelaufen, eine kleine undichte Stelle an einem Schlauch, vermutete ich – aber, da ich kein Installateur oder Klempner bin, rief ich noch einmal den Kundendienst an und hoffte, ich würde angesichts der teuren Reparatur vom Januar bestenfalls noch einmal ein paar Euro im zweistelligen Bereich einsetzen müssen.</p>
<p>Das Prozedere verlief wie gewohnt. Eine Woche Wartezeit auf den Monteur von Siemens, wahrscheinlich, damit man schon einmal weichgekocht ist. Als er denn endlich bei uns in der Küche erschien, hatte ich die Kinder gerade so weit, dass sie sich nicht mehr nach jeder Mahlzeit erbittert stritten, wer an der Reihe mit Spülen und Abtrocknen sei, sondern bereitwillig mitzuhelfen begannen. Und damit ich gar nicht erst in Versuchung kommen würde, mich noch einmal auf eine größere Reparatur einzulassen und damit weitere (versunkene) Kosten produzieren zu müssen, bat ich dieses Mal meine Frau statt meiner das Reparatur-Stelldichein wahrzunehmen. Sozusagen, um nicht den Sirenengesängen des Monteurs lauschen zu müssen – entscheiden wollte ich bestenfalls aus der Ferne am Telefon.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Ein Quell für Regret: Hätte, würde, könnte </b></p>
<p>Aber es gab nichts mehr zu entscheiden, denn der Geschirrspüler hatte einen irreparablen Schaden, der Motor war futsch. Zur Reparatur vom Januar kamen nun noch einmal knapp 70 Euro für Anfahrt und Schadensdiagnose des Servicecenters hinzu. Kurzum, in summa lag ich jetzt bei fast 400 Euro und einem Totalschaden. &#8220;Hätten Sie doch nur mein Versicherungs-Angebot von damals wahrgenommen“, konnte sich der Monteur meiner Frau gegenüber nicht verkneifen, &#8220;dann hätten Sie jetzt schon wieder etwas zurückbekommen!&#8221;. Ob dieses „Etwas“ auch den Kauf einer neuen Maschine abgedeckt hätte? – Ich ersparte mir weitere Nachforschungen, aus Rücksicht auf meinen Seelenfrieden, um mir weitere Reuegefühle (Regret) zu ersparen.</p>
<p>Zum Glück war ich nicht selbst anwesend, um unter dem Eindruck des Totalschadens wenigstens für künftige Fälle doch noch eine Reparatur-Versicherung abzuschließen. Und so bekam ich auch nicht mit, wie der Fachmann meine Frau noch mit den Worten und einem Brief des Herstellers in der Hand tröstete: &#8220;Wenn Sie das gleiche Fabrikat wieder kaufen, bekommen Sie eine Treueprämie in Höhe von 31 Euro, dann haben Sie meinen Besuch schon wieder zur Hälfte raus!&#8221; Ja, die Hersteller von Elektrogeräten sind auf alle Eventualitäten des Lebens eingerichtet und schaffen es, mit 5 Prozent Eventual-Rabatt am Ende des Montagebesuchs, dass die unangenehme Reparatur-Episode auch noch ein halbwegs versöhnliches Ende findet. Ich jedenfalls hatte genug von mentalen Konten, Sunk Cost und Regret und konnte mir allerdings ein bisschen Selbstbestrafung nicht verkneifen: Hätte ich doch nur gleich eine neue Maschine gekauft und mir wären allerhand psychische und materielle Kosten erspart geblieben!</p>
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		<title>Der verschobene Crash</title>
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		<pubDate>Wed, 08 May 2013 17:50:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joachim Goldberg</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<img width="300" height="114" src="http://www.blognition.de/wp-content/uploads/2013/05/senti03052013-300x114.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="senti03052013" style="float:left; margin-right:10px;" />Ja, ich war schon erstaunt, heute aus dem Fernsehen zu erfahren, dass der Starökonom Nouriel Roubini den Aktiencrash wohl in die Zukunft verschoben hat. Jetzt kann es entgegen früheren Befürchtungen in den kommenden beiden Jahren mit dem Aktienmarkt sogar nach oben gehen. Auch sieht Roubini derzeit keine Blasenbildung. Ich dachte schon, das gelte für den<a href="http://www.blognition.de/blog/markte/der-verschobene-crash/" class="read-more"><span>Continue Reading</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<img width="300" height="114" src="http://www.blognition.de/wp-content/uploads/2013/05/senti03052013-300x114.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="senti03052013" style="float:left; margin-right:10px;" /><p>Ja, ich war schon erstaunt, heute aus dem Fernsehen zu erfahren, dass der Starökonom Nouriel Roubini den Aktiencrash wohl in die Zukunft verschoben hat. Jetzt kann es entgegen früheren Befürchtungen in den kommenden beiden Jahren mit dem Aktienmarkt sogar nach oben gehen. Auch sieht Roubini derzeit keine Blasenbildung. Ich dachte schon, das gelte für den DAX – aber nein! Gemeint war natürlich der US-Aktienmarkt. Ich bin gespannt ob noch andere Crashpropheten ihre Meinung ändern werden oder ob sie ganz stark bleiben und gegen die Hausse halten.</p>
<p>Immerhin haben es Analysten ohne eigene Position leichter, selbst am Allzeithoch ihre Meinung zu ändern: Nach dem Motto „Der Crash kommt, aber später“. Ein Händler hat es da viel schwerer, denn wer bislang gegen die Hausse gehalten hat oder auch nur nicht mitgemacht hat auf dem Weg nach oben, sieht sich nicht nur einer Verlustaversion (die Aversion einen mit einer Entscheidung einhergehenden Verlust realisieren zu müssen) gegenüber. Hinzu kommt, gegebenenfalls eine neue Entscheidung, etwa einen Einstieg in den Markt, am Extrempunkt einer Kursentwicklung treffen zu müssen, um dann womöglich mitanzusehen, wie der Markt anschließend gegen einen läuft. Psychologisch der „worst case“ – ein Bedauern (regret), das die meisten Menschen, wenn irgend möglich, vermeiden wollen. Deswegen tendiert man in einer solchen Situation eher zum Abwarten bzw. Nichtstun.</p>
<p>Dies ist auch der Grund, warum hierzulande keine rechte Freude am Allzeithoch des DAX aufkommen will. Was die mittelfristigen Anleger, deren Stimmung allwöchentlich die Börse Frankfurt erhebt, derzeit umtreibt, können Sie <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktsentiment+buy+in+may+and+go+away+50678">in meinem heutigen Kommentar dazu (hier</a>)</span> nachlesen. Gianni Hirschmüller hat sich um <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktsentiment+buy+in+may+and+go+away+50678#reiter=detailanalyse">die Analysedetails hier</a></span> gekümmert.    </p>
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		<title>Neidgesellschaft und Schwarzgeldgauner</title>
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		<pubDate>Wed, 08 May 2013 08:05:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joachim Goldberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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		<description><![CDATA[<img width="300" height="148" src="http://www.blognition.de/wp-content/uploads/2013/05/Neid-300x148.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="Neid" style="float:left; margin-right:10px;" />Immer häufiger bringt die Jagd auf Steuerhinterzieher neue prominente Namen ans Tageslicht. Die Bevölkerung ist mit Recht empört, und Politiker von der Mitte bis links machen sich solche Geschichten für den bevorstehenden Wahlkampf zunutze. „Keine Gnade für Steuerhinterzieher!“, hallt es durch Deutschland. Auch von Moral ist die Rede und von der Bestrafung der Schuldigen, sei<a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/neidgesellschaft-und-schwarzgeldgauner/" class="read-more"><span>Continue Reading</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<img width="300" height="148" src="http://www.blognition.de/wp-content/uploads/2013/05/Neid-300x148.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="Neid" style="float:left; margin-right:10px;" /><p>Immer häufiger bringt die Jagd auf Steuerhinterzieher neue prominente Namen ans Tageslicht. Die Bevölkerung ist mit Recht empört, und Politiker von der Mitte bis links machen sich solche Geschichten für den bevorstehenden Wahlkampf zunutze. „Keine Gnade für Steuerhinterzieher!“, hallt es durch Deutschland. Auch von Moral ist die Rede<span id="more-6072"></span> und von der Bestrafung der Schuldigen, sei es nun ein im Rampenlicht stehender Uli Hoeneß oder ein zurückgezogen lebender Maler und Bildhauer wie Georg Baselitz. Natürlich könnte ich mich an dieser Stelle auch über die Scheinheiligkeit derjenigen auslassen, die einerseits die Steuersünder anprangern, es andererseits aber völlig in Ordnung finden, günstige Dienstleistungen gegen Barzahlung und ohne Rechnung in Anspruch zu nehmen. Aber darum geht es mir nicht. Vielmehr ist mir aufgefallen, dass sich bei vielen Menschen unter dem Deckmantel der Moral doch eine gewisse Häme, wenn nicht gar Schadenfreude abzeichnet, die sich in Hohn und Verachtung gegenüber denen ausdrückt, die derzeit von der Lichtgestalt zum Schwarzgeldgauner mutieren.</p>
<p>Wo Schadenfreude herrscht, kann der Neid nicht weit sein, habe ich mir gesagt. Neid, das schmerzhafte Gefühl, das ein Mensch erlebt, wenn er erfährt, dass ein anderer etwas hat – sei es ein Gegenstand, eine Eigenschaft oder ein bestimmter Status –  was er selbst für erstrebenswert hält, aber eben nicht besitzt. Und das man ihm am liebsten sogar wegnehmen möchte, weil man sich unterlegen fühlt<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>. Dieses peinliche Gefühl eigener Minderwertigkeit ist es auch, weswegen viele Menschen es nicht gerne zugeben, wenn sie auf jemanden neidisch sind, und auch Schadenfreude offen und ungehemmt zu äußern gilt nicht gerade als salonfähig<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Drang nach sozialem Vergleich</b></p>
<p>Neid resultiert aus dem permanenten Wunsch der Menschen – und dieses Bedürfnis ist ein universales und kein spezifisch deutsches –, sich mit anderen vergleichen zu wollen, um den eigenen Status in der Gesellschaft zu ermitteln. Deswegen spielen für viele Menschen Positionsgüter, über die ich bereits <a href="http://www.blognition.de/blog/politik/von-der-euro-krise-zur-wahrungsreform/" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">an anderer Stelle geschrieben habe</span></a>, eine so wichtige Rolle. Positionsgüter sind Ausdruck für einen bestimmten Status.</p>
<p>Der soziale Vergleich ist nur natürlich. Außerdem, so beschreibt es die Sozialpsychologin Susan T. Fiske in ihrem hervorragenden und lesenswerten Buch<a title="" href="#_ftn3">[3]</a>, befindet sich jeder von uns in einer Position, von der aus wir einerseits Menschen mit höherem Status beneiden und andererseits Menschen, die wir als unter unserem Status befindlich wahrnehmen, verachten. In gewissem Sinne seien wir regelrechte Vergleichs-Maschinen, so die Professorin. Wir stellen permanent Vergleiche an, um uns über uns selbst und darüber zu informieren, wo wir stehen. Und wir tun dies, um unseren Selbstwert zu schützen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>In der Champions League des Reichtums</b></p>
<p>Neid ist aber noch mehr als ein Vergleich nach oben. Jemand anderen auf der persönlichen Vergleichsskala zu beneiden bedeutet für Menschen weitaus mehr Stress als der Blick auf derselben Skala nach unten. Dabei bleibt festzustellen: Neid ist dort am größten, wo wir uns mit Ähnlichen, Gleichgesinnten vergleichen können. Also im Vergleich mit unseren Bekannten, Nachbarn, Freunden und Verwandten, die so zu natürlichen Feinden werden können. Jemanden zu beneiden heißt letztlich auch, ihn seiner Gewinne wegen zu beneiden. Aber eigentlich käme doch ein Kreisklassenverein kaum auf die Idee, sich mit Bayern München zu vergleichen. Die spielen in einer anderen Liga. So wie Uli Hoeneß für viele von uns ebenfalls in einer anderen materiellen Liga spielt. Wie kann es dann aber überhaupt zur Schadenfreude kommen, wenn es einen aus der Champions League des Reichtums und Erfolgs erwischt?</p>
<p>In unserer Wahrnehmung fällt da jemand von ganz oben nach ganz unten und wird dadurch für uns für einen Augenblick lang, vielleicht auch für ein paar Tage, auf seinem Weg nach unten vergleichbar. Wenn eine große Persönlichkeit zu Fall gebracht wird, mag so aus Neid Verachtung werden, und es ist genau dieser Sturzflug, der bei vielen Menschen Schadenfreude auslöst, begleitet von einem Gerechtigkeitsempfinden, das uns manchmal selbst die Unschuldsvermutung vergessen lässt. Vor allem, wenn selbst Angela Merkel, die sich ja meistens eher bedeckt hält und herumlaviert, blitzschnell auf Abstand zu Herrn Hoeneß geht und in für sie ungewöhnlich deutlichen Worten ihre Enttäuschung kundtut.</p>
<p>Bei so viel Selbstgerechtigkeit war ich am Ende fast ein wenig erleichtert darüber, dass einer Umfrage zufolge 65 Prozent der Befragten Herrn Hoeneß, sofern er sich brav entschuldigt, verzeihen würden.</p>
<div><br clear="all" /><br />
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Vgl. Parrott, Gerrod (1991): <i>The Emotional Experience of Envy and Jealousy. </i>In:<i> The Psychology of Jealousy and Envy, </i>edited by Perter Salovey, New York:Guilford Press</p>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Obgleich der Begriff Eifersucht häufig als Synonym für Neid verwandt wird, muss jene abgegrenzt werden. Eifersucht entsteht nämlich dann, wenn man glaubt etwas sehr Wertvolles zu besitzen und man befürchten muss, dass ein anderer es einem wegnimmt. Eifersüchtige Menschen werden wahrscheinlich ganz offene Maßnahmen ergreifen, um das zu beschützen, was sie als ihr rechtmäßiges Eigentum betrachten. In unserer Gesellschaft ist Eifersucht im Gegensatz zu Neid zumindest eine Emotion, der man Verständnis entgegenbringt</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
<div>
<p>[3] Vgl. Fiske, Susan T. (2011): Envy up, Scorn down: How Status Divides Us, Russel Sage Foundation, New York</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
</div>
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		<title>Gold – Allheilmittel oder Placebo?</title>
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		<pubDate>Mon, 06 May 2013 05:00:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herman Brodie</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<img width="300" height="114" src="http://www.blognition.de/wp-content/uploads/2013/03/Goldlager-300x114.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="Goldlager" style="float:left; margin-right:10px;" />Nicht zum ersten Mal wird derzeit wieder einmal in Erwägung gezogen, die Goldreserven der Zentralbank eines Landes wenigstens zur teilweisen Lösung von Schuldenproblemen zu verwenden. So wurde etwa bereits zum Höhepunkt der Griechenland-Krise mit dem Gedanken gespielt, mit dem Verkauf der Goldreserven die öffentlichen Schulden zu verringern. Aber am Ende waren jene Bestände doch zu<a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/gold-allheilmittel-oder-placebo/" class="read-more"><span>Continue Reading</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<img width="300" height="114" src="http://www.blognition.de/wp-content/uploads/2013/03/Goldlager-300x114.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="Goldlager" style="float:left; margin-right:10px;" /><p>Nicht zum ersten Mal wird derzeit wieder einmal in Erwägung gezogen, die Goldreserven der Zentralbank eines Landes wenigstens zur teilweisen Lösung von Schuldenproblemen zu verwenden. So wurde etwa bereits zum Höhepunkt der Griechenland-Krise mit dem Gedanken gespielt, mit dem Verkauf der Goldreserven <span id="more-6055"></span>die öffentlichen Schulden zu verringern. Aber am Ende waren jene Bestände doch zu gering, als dass man damit die schwerwiegenden Probleme des Landes hätte lösen können. Aber auch im Falle Zyperns wurde ein ähnlich lautender Vorschlag nicht nur von den EU-Finanzministern unterstützt. Und so dürfte es auch kaum jemanden schockiert haben, als ein entsprechender Plan die Runde machte, Italien könnte sich, um seiner massiven Schulden Herr zu werden, womöglich von seinem Goldschatz trennen. Immerhin handelt es sich nach Deutschland um den größten Bestand innerhalb der EU. Aber auch im Falle Italiens würden die Probleme aufgrund des krassen Missverhältnisses zwischen Goldreserven und Schulden kaum gelöst. Denn die 2.452 Tonnen Goldreserven im Wert von gut 88 Milliarden Euro zu derzeitigen Preisen (natürlich deutlich weniger, falls die Banca d&#8217;Italia als Abgeber eines derartigen Volumens im Markt auftreten auftreten würde) sind, gemessen an den 1.000 Milliarden Euro, die Italien seinen Anleihegläubigern schuldet, eine fast schon lächerliche Summe.</p>
<p>Dennoch, so argumentiert der World Gold Council (WGC), könnte der Goldbestand zumindest über einen Finanzierungsengpass des Landes hinweghelfen und die notwendige Zeit erkaufen, um das Wirtschaftswachstum wieder auf Vordermann zu bringen. Aber eigentlich müsse Italien noch nicht einmal sein Gold verkaufen. Besser wäre es doch, es diente als Sicherheit für neue Anleihen mit niedrigeren Zinsen, war zu vernehmen. Anders ausgedrückt: Indem Italien ein Fünftel des Nennwerts neuer Staatsanleihen mit Gold besichern würde, könnte das Land seinen Finanzierungsbedarf für die kommenden zwei Jahre decken und dies auch noch zu günstigeren Zinsen. Im gleichen Zuge würden damit neue Quellen für konjunkturelle Stimulus-Maßnahmen aufgetan, um das Land aus der Rezession zu bringen und die Belastungen seiner Bürger abmildern. Der  WGC ging sogar noch weiter und gab eine Umfrage in Auftrag, anhand derer deutlich wurde: Die Bürger Italiens wünschen sich von ihrer Regierung, genau einen solchen Plan umzusetzen. Die plötzliche Sorge des WGC um das Wohlergehen des italienischen Wählers ist allerdings nicht so selbstlos wie es aussieht. Denn diese globale Lobby-Organisation der Goldminenindustrie, hat natürlich ein großes Interesse an einem stabilen Goldpreis und würde es demzufolge sicherlich sehr begrüßen, wenn die Idee, Staatsanleihen mit Gold zu hinterlegen, auch bei anderen Regierungen Nachahmer finden würde.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Tolle Idee mit Stolperfallen</b></p>
<p>Doch dieses Vorhaben hat einen Haken, weil Italiens <i>derzeitige</i> Anleihegläubiger eigentlich davon ausgegangen sein dürften, ihre Kredite seien bereits teilweise mit dem Gold des Landes gedeckt. Natürlich wurde dies nie explizit zum Ausdruck gebracht, aber man kann sich denken, dass sich die Anleihegläubiger vor ihrer Entscheidung, einem Land ihr Geld zu leihen, genau angesehen haben, auf welche öffentliche und private Vermögen der Staat Zugriff haben würde, um diese Schulden bedienen und eines Tages zurückzahlen zu können. Wenn nun ein Teil dieses Vermögens, also das Gold der Zentralbank, plötzlich ausgesondert und zum Gegenstand eines neuen Anleihevertrages gemacht würde, müsste die Rendite derjenigen Anleihen, die nicht mehr mit Gold besichert wären, in der Folge steigen. Offenbar sieht der WGC einen so genannten <i>free lunch</i>, wo es keinen gibt.</p>
<p>Wenn man jedoch glaubt, die mit Gold hinterlegten Anleihen müssten niedriger rentieren, unterliegt man einem weiteren Trugschluss. Zwar geht der WGC davon aus, die Investoren würden sich bei den teilweise mit Gold besicherten Anleihen mit einer niedrigeren Rendite zufrieden geben. Die Denke hierzu ist bestechend einfach: Im Falle einer Pleite würden die Investoren ihren Anteil an den Goldreserven der Zentralbank einfordern, deren Wert als Folge der Krise im Vergleich zu heute sogar noch deutlich höher liegen könnte. Allerdings müssten die Investoren in diesem Fall dem Versprechen eines Kontrahenten Glauben schenken, der gerade Pleite gegangen ist. Wie hoch ist  jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der gerade sein Versprechen gebrochen hat, einen Kredit samt Zinsen zurückzuzahlen, eine vertragliche Zusage einhalten wird, im Zweifel sein Gold herauszurücken? Um derartige Befürchtungen der Investoren zu zerstreuen, müsste Italien Treuhandkonten einrichten, und das dazugehörige Gold im Ausland verwalten lassen. Natürlich würde der Staat diese zusätzlichen Kosten tragen müssen.</p>
<p>Die Idee Anleihen mit Gold zu besichern sieht also nur auf den ersten Blick attraktiv und zugegebenermaßen verführerisch einfach aus. Oder will einfach nur jemand verhindern, dass ungebundenes Zentralbankgold eines Tages doch noch verkauft und der Goldpreis durch diese Abgaben womöglich massiv unter Druck gesetzt wird?</p>
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		<title>Fragwürdige Umverteilung</title>
		<link>http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/fragwurdige-umverteilung/</link>
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		<pubDate>Fri, 03 May 2013 08:13:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joachim Goldberg</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<img width="300" height="114" src="http://www.blognition.de/wp-content/uploads/2013/05/senti03052013-300x114.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="senti03052013" style="float:left; margin-right:10px;" />Nun ist also wieder alles beim Alten. Die US-Notenbank hat bei ihrer vergangenen Sitzung klargemacht, dass sie sich flexibler denn je zeigen und je nach Entwicklung der Konjunktur ihre quantitativen Lockerungsmaßnahmen notfalls sogar erhöhen wird. Wer also vor einigen Wochen die Hoffnung gehabt hatte, die Notenbank werde womöglich noch in diesem Jahr ihre Lockerungsaktivitäten zurückfahren,<a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/fragwurdige-umverteilung/" class="read-more"><span>Continue Reading</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<img width="300" height="114" src="http://www.blognition.de/wp-content/uploads/2013/05/senti03052013-300x114.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="senti03052013" style="float:left; margin-right:10px;" /><p>Nun ist also wieder alles beim Alten. Die US-Notenbank hat bei ihrer vergangenen Sitzung klargemacht, dass sie sich flexibler denn je zeigen und je nach Entwicklung der Konjunktur ihre quantitativen Lockerungsmaßnahmen notfalls sogar erhöhen wird. Wer also vor einigen Wochen die Hoffnung <span id="more-6048"></span>gehabt hatte, die Notenbank werde womöglich noch in diesem Jahr ihre Lockerungsaktivitäten zurückfahren, muss sich nun getäuscht sehen. Statt eines klaren Kurses scheint die Fed nunmehr auf Sicht zu fahren, womit unsinnigerweise besser oder schlechter als erwartet ausfallende Wirtschaftsdaten demnächst einen größeren Einfluss haben dürften als die Sitzung des Offenmarktausschusses der Notenbank. Statt also Falken und Tauben zu zählen, müssen sich die Analysten nun wieder vermehrt mit den volatilen Nonfarm Payrolls des Arbeitsmarktberichts herumschlagen. Wird die Fed also ihre Geldpolitik tatsächlich daran ausrichten, ob die Ökonomen die Zahl der neu geschaffenen Stellen richtig vorhergesagt haben? Diese Art von Flexibilität vermittelt den Akteuren an den Finanzmärkten vor allen Dingen eines: Unsicherheit.</p>
<p>Aber auch die EZB hat mit Ihrem jüngsten Zinsschritt keinen Bäume ausgerissen, wenn man einmal davon absieht, dass Mario Draghi im Verlauf der gestrigen Pressekonferenz mit dem Hinweis, die EZB sei technisch auch zu einer negativen Verzinsung der bei ihr unterhaltenen Einlagen imstande, offenbar Pawlow‘sche Hunde geweckt hat. Draghis Statement ist insofern interessant, weil es zu einem Zeitpunkt kommt, da ein ehemaliger Befürworter negativer Zinsen auf Bankeinlagen, Paul Tucker, sich von derlei Ambitionen abwandte: Der stellvertretende Chef der Bank von England machte gerade erst 48 Stunden zuvor einen entsprechenden Rückzieher. Dagegen nehmen sich Konsultationen des EZB-Rates mit anderen EU-Institutionen über Maßnahmen, wie man dem Mittelstand in den Ländern an der Peripherie Europas helfen kann, geradezu langweilig aus und wurden von den Händlern, obwohl nicht unwichtig, kaum wahrgenommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Hauptsache den Reichen an den Kragen</b></p>
<p>Am Ende liegt es an den Ländern der Eurozone selbst und nicht an der EZB, durch Strukturreformen und eine ausgewogene Konsolidierung für Vertrauen zu sorgen. In Deutschland wollen offenbar die Grünen und auch die SPD unter einer mit Moralin getränkten Flagge den Reichen im Falle eines Sieges nach der Bundestagswahl mit Steuererhöhungen an den Kragen und zwar unter dem Motto einer groß angelegten Umverteilung von historischer Dimension und dem impliziten Segen der Zeitgeister. Wer zahlen soll ist also klar und ich möchte mich auch nicht darüber beschweren, dass die Einkommensgrenze, ab der die Steuern erhöht werden sollen, womöglich schon bei 60.000 Euro beginnen soll, also da, wo – wie Jan Fleischhauer in seiner jüngsten Kolumne in Spiegel online süffisant kommentierte – bei vielen Beamten und Angestellten des öffentlichen Dienstes die Gehaltstabelle in etwa aufhört. Auch bin ich vorsichtig, mich gegen die Mehrheit der Deutschen zu stellen, die offensichtlich laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF gerne Steuererhöhungen haben möchte – wahrscheinlich nur solange sie nicht selbst davon betroffen sind. Aber Umverteilung hat für mich immer zwei Seiten, doch mir ist bei all den Diskussionen bis jetzt nicht klar geworden, wer der Nutznießer der Umverteilung sein soll. Etwa der Staat, indem man die Steuereinnahmen blindlings zum Sparen statt für Strukturreformen (mein Kollege Herman Brodie hat sich dankenswerter Weise unlängst <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/mit-dem-messer-an-der-kehle/">zum Unterschied dieser beiden Begriffe hier</a></span> geäußert) oder für ziellose Verschwendungsmaßnahmen verwendet?</p>
<p>Eine größere, wenn auch nicht staatlich gesteuerte „Umverteilung“ gab es auch bei unserer jüngsten Umfrage, die wir allwöchentlich mit der Börse Frankfurt durchführen. Allerdings ging es hier um Stimmungsveränderungen der Investoren am Aktienmarkt, die Gianni Hirschmüller <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktsentiment+dax+erholung+provoziert+radikalen+stimmungswechsel+50325">hier kommentiert</a></span> hat. Ich selbst habe mich um die Analysedetails <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktsentiment+dax+erholung+provoziert+radikalen+stimmungswechsel+50325#reiter=detailanalyse">hier gekümmert</a></span>.</p>
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		<title>Mit dem Messer an der Kehle</title>
		<link>http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/mit-dem-messer-an-der-kehle/</link>
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		<pubDate>Mon, 29 Apr 2013 08:00:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herman Brodie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[<img width="300" height="114" src="http://www.blognition.de/wp-content/uploads/2013/04/Magenband-300x114.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="Magenband" style="float:left; margin-right:10px;" />Wer in einer finanziellen Klemme steckt, muss sich häufig den großmütterlichen Ratschlag anhören, man müsse sich einfach nur nach der Decke strecken. Ein derartiges Rezept jedoch aus dem Munde ernstzunehmender Wirtschaftskommentatoren zu vernehmen, wenn wieder einmal über den Sinn von Sparmaßnahmen und Ähnlichem in den Staaten an der Peripherie der Eurozone diskutiert wird, erscheint schon<a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/mit-dem-messer-an-der-kehle/" class="read-more"><span>Continue Reading</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<img width="300" height="114" src="http://www.blognition.de/wp-content/uploads/2013/04/Magenband-300x114.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="Magenband" style="float:left; margin-right:10px;" /><p>Wer in einer finanziellen Klemme steckt, muss sich häufig den großmütterlichen Ratschlag anhören, man müsse sich einfach nur nach der Decke strecken. Ein derartiges Rezept jedoch aus dem Munde ernstzunehmender Wirtschaftskommentatoren zu vernehmen, <span id="more-6043"></span>wenn wieder einmal über den Sinn von Sparmaßnahmen und Ähnlichem in den Staaten an der Peripherie der Eurozone diskutiert wird, erscheint schon ein bisschen befremdlich. Denn während ein übergewichtiger Mensch statt eines Jacketts noch zu einer Weste greifen oder sich mit Gewalt in eine kleinere Kleidergröße zwängen kann, lässt sich derartiges nicht einfach auf einen Staat übertragen.</p>
<p>Dies mag vielleicht auch der Grund gewesen sein, weswegen Deutschland ursprünglich als Bedingung für finanzielle Hilfen viel mehr auf Strukturreformen als auf reine Sparsamkeit der betroffenen Länder bestanden hat. Obgleich diese Begriffe häufig miteinander vermischt werden, sind sie jedoch unterschiedlicher Natur. Um im Bekleidungs-Bild zu bleiben, ist Austerität mit dem Einsatz eines Magenbandes bei einem fettleibigen Menschen vergleichbar, um dessen Körperumfang schnell auf eine kleinere Kleidergröße zu reduzieren. Strukturreformen ähneln indes eher einer Anpassung des Lebensstils durch eine ausgeglichene Diät und erhöhter sportlicher Aktivität.</p>
<p>Anders ausgedrückt: Löhne im öffentlichen Dienst einfach nur einzufrieren ist gleichbedeutend mit Sparsamkeit. Wenn man aber die Größe eines aufgeblähten und ineffektiven öffentlichen Apparates reduziert, spricht man von einer Strukturreform. Genauso könnte man den Verkauf nationaler Goldesel, etwa einer staatlichen Lotterie, als eine Art Sparen bezeichnen, während man die Deregulierung bestimmter geschützter Berufsgruppen als strukturelle Reform ansehen kann. Demzufolge gehört die Kürzung von Pensionen in die Kategorie „Austerität“, während die Verlängerung der Lebensarbeitszeit und die Erhöhung von Beitragslaufzeiten zur Rentenversicherung wiederum mit dem Label „Strukturreform“ versehen werden sollte. Aber auch die Verbesserung der Steuererhebungsmethoden ist genau das Gegenteil von Austerität. Obgleich es also zwischen diesen beiden Begriffen Überschneidungen geben mag, haben sie nicht dieselbe Bedeutung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Nur nicht nachgeben</b> </p>
<p>Würden in der Folge also die Staaten an der Peripherie Europas von den Unannehmlichkeiten und Gefahren des Sparens verschont bleiben, sofern sie sich wie vereinbart an die versprochenen Strukturreformen hielten? Könnte man ihnen statt eines Magenbandes nicht eine weniger schmerzvolle Diät bestehend aus Fertiggerichten und Pulvermahlzeiten verschreiben?</p>
<p>&#8220;Auf gar keinen Fall!&#8221; würde Deutschland einwenden. All die bis heute erzielten &#8220;Fortschritte&#8221; in der Sparpolitik seien doch nur deswegen sichergestellt gewesen, weil man diesen Staaten das Messer an die Kehle gesetzt hätte, würden viele argumentieren; sobald jedoch der Druck nur ein bisschen nachließe, würden die betroffenen Staaten aufhören zu sparen und ihre Strukturreformen nicht weiter verfolgen. Man müsse sich doch nur einmal zu Gemüte führen, was etwa die großspurigen Versprechungen der EZB bislang bewirkt hätten. Denn seit Mario Draghis berühmter Rede, man werde alles tun, um den Euro zu unterstützen, seien zwar die Renditen der Staatsanleihen gefallen. Aber mit der Konsequenz, dass sich die Länder an der Peripherie Europas nach und nach der Sparmaßnahmen zu entledigen versuchten und Reformprogrammen den Rücken kehren wollten, so die Kritiker. Vielleicht möchte Deutschland gerade deswegen das im Raume stehende Anleihekaufprogramm der EZB (OMT) zur Rettung des Euro von höchstrichterlicher Stelle überprüfen lassen – eine Zeitbombe, die die Bundesbank offenbar seit Dezember vergangenen Jahres in der Hinterhand gehalten hatte.</p>
<p>Offenbar ist die Zeit gekommen, einigen fehlgeleiteten Defizitsündern wieder einmal das Messer an die Kehle zu halten.</p>
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